Von Mike Schwarz

Juli 28, 2021 1 Kommentar(e)

Mythos Regression, Regression, Regression anleiten, Regression lernen

Was ist Regression

"Das bewusste, aktive, emotionale Zurückerinnern."

Auf Wikipedia wird die Regression nach Freud definiert und man versteht darunter eine Abwehrstrategie der Psyche, in dem sich der Mensch bei Angst in eine frühkindliche Position zurückzieht. Dieser Abwehrmechanismus läuft unbewusst ab.

In diesem Beitrag geht es aber vielmehr um die Regression als Methode der Psychoanalyse oder der Hypnosetherapie. In der Regression wird der Klient angeleitet, sich aktiv und emotional zurückzuerinnern. Dies soll vor allem auf der unbewussten Ebene stattfinden.

Der Therapeut verspricht sich durch den Prozess der Regression eine Bewusstseinsveränderung seines Klienten und somit eine Veränderung der Emotionen, des Denkens und des Handelns.

Ein Beispiel: 

Ein Klient hat Höhenangst. Er ist sich jedoch nicht bewusst, warum er diese Angst überhaupt hat. Rational kann er sich die Angst nicht erklären und beschreiben. Durch Regression in der Hypnoseanalyse weisen wir das Unbewusste des Klienten an, sich an ein Erlebnis, ein Gefühl oder ein Gedanke zurückzuerinnern, warum diese Angst entstanden ist. Es kommt dem Klienten ein Erlebnis in Erinnerung, als er mit 4 Jahren von einer Leiter gefallen ist, bei dem er sich die Hand gebrochen hatte. Als Abwehrmechanismus schützt das Unbewusste den Klienten, in dem es die Angst generiert. Alles was mit "Leiter" oder "Höhe" assoziiert wird, möchte das Unbewusste vermeiden und generiert die Angst.

Falsche Vorstellungen von Regression führen zu Misserfolgen

Regression in der Hypnoseanalyse oder der Psychoanalyse wird von vielen Therapeuten angewandt.  Dabei werden immer wieder neue Konzepte entwickelt, gelehrt und vermittelt. 

Zwei bekannte Konzepte der Regression sind:

Die klassische Altersregression

Bei der klassischen Altersregression regressieren Therapeuten die Klienten innerhalb des jetzigen Lebens. Man geht davon aus, die psychische oder somatische Problematik ist irgendwo in der Jugend oder Kindheit zu suchen und es gibt EIN bestimmtes Erlebnis, dass die Thematik ausgelöst hat.

Die Regression in vorherige Leben

Bei diesem Konzept geht man davon aus, dass der Mensch inkarniert und darum gewisse Vorbelastungen von einem Leben ins nächste mitnimmt. Die Therapeuten selbst glauben an Vorleben und sind oftmals auch überzeugt, dass Thematiken nur mit Hilfe einer Regression in ein vorheriges Leben gelöst werden können.

Egal, an welches Konzept die Therapeuten oder die Klienten glauben, der Geist des Menschen hat die Tendenz, sich so zu verhalten, wie von ihm erwartet wird. 

Aus den Vorstellungen und Ideen der Therapeuten entstehen darum auch immer wieder Mythen, die schlussendlich auch zu Misserfolgen in der Therapie führen können. Diese möchten wir euch hier aufzeigen.

Mythos Nr. 1: Für Regression braucht es eine Trance oder Hypnose

Viele Schulen und Ausbildungsinstitute welche die Regressionstechniken vermitteln, geben ihren Schülern vor, sie müssen eine tiefe Trance oder einen tiefen hypnotischen Zustand mit den Klienten erzeugen, so dass eine Regression überhaupt möglich wird. Dies auch mit der Begründung, dass der Verstand, die Logik und die Ratio, in den Hintergrund rücken müssen, damit eine Regression zugelassen wird.

Sollte diese Theorie stimmen , dann dürfte es keine spontane Regression geben.

Wer hat es nicht schon einmal erlebt, dass ein Gegenüber in einem Gespräch einen Satz ausgesprochen hat, der uns tief berührt hat? Bei dem wir uns unmittelbar emotional zurückerinnern an eine alte, schmerzliche Beziehung oder an einen schmerzlichen Verlust?

Wer hat es nicht schon einmal erlebt, dass wir ein Musikstück hören und wir sind sofort zurückversetzt an das grossartige Konzert vor 20 Jahren?

Wer hat es nicht schon erlebt, dass ein Duft eines Parfums oder der Duft einer Mandarine uns zurückversetzt in liebliche oder kindliche Gefühle?

Wenn also Sätze, Wörter, Töne, Düfte, Berührungen und Geschmackliches auf der Zunge uns regressieren können, warum braucht es dann eine Trance oder einen hypnotischen Zustand?

Es ist nicht relevant, wie stark der kritische Faktor, die Ratio, die Logik unseres Gegenübers ist, sondern mit welchen Auslösern wir das Gegenüber konfrontieren. Sie müssen den richtigen emotionalen Inhalt und die richtige Stärke haben, damit die Regression ausgelöst wird. Im Kurs "Timeline & Inneres Kind" werden genau diese Techniken vermittelt, die auch OHNE Trance oder Hypnoseinduktionen funktionieren. 

Löse dich als Therapeut oder Therapeutin vom Gedanken, dass eine Trance oder eine gewisse Tiefe der Hypnose nötig sei. Der Rapport zu deinem Gegenüber und das tiefere Verständnis für die Problematik oder Thematik der Klienten ist viel wesentlicher.

Eine Trance oder ein hypnotischer Zustand kann natürlich den Prozess der Regression unterstützen. Aber nur, wenn keine Missverständnisse oder Ängste bei den Klienten vorhanden sind. Ansonsten sind Trancezustände und Hypnoseinduktionen eher hinderlich.

Mythos Nr. 2: Durck aufbauen erhöht die Chance auf eine erfolgreiche Regression

"Und bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt."

Stress und Druck lösen bei den meisten Menschen im realen Leben tatsächlich oftmals eine Regression aus. Da die Regression gemäss Freud ein Abwehrmechanismus sei (oder nennen wir es doch einfach einen Schutzmechanismus) ist es nachvollziehbar, dass eine Angst oder eine sonstige Bedrohung eine Regression auslösen kann. Ein bellender Hund, eine Explosion, ein Autounfall, ein harsches Wort, ein Streit, eine Kündigung oder ähnliche Lebensereignisse können uns in kindliche Zustände zurückversetzen. 

Im therapeutischen Kontext funktioniert dies oftmals erstaunlich gut. Die sogenannte "emotional induzierte Regression" bedient sich genau diesem Mechanismus. Die Therapeuten "bombardieren" Klienten mit lauter Stimme mit Suggestionen voller Angst und Stress und möchten so das Unbewusste dazu bringen, sich spontan zu regressieren.

Häufiger jedoch passiert genau das Gegenteil; das Unbewusste "macht zu" bei einem solchen Vorgehen. Der Schutzmechanismus des Unbewussten fährt einen Schutzschild hoch und macht die Klienten "emotionslos". Unter Umständen kann ein solches Vorgehen mit Stress und Druck auch eine spontane Dissoziation oder Spaltung auslösen. Der Klient oder die Klientin spaltet sich von ihren Emotionen ab. Eine Regression oder eine Therapie ist dann nicht mehr möglich.

Was viele Therapeuten nicht verstehen: Das Unbewusste muss man nicht anschreien, um es zu einer Zusammenarbeit oder Mitarbeit zu animieren oder zu einer Regression zu verleiten. Besser geht man wunderbar sanft und gleichzeitig sehr effizient vor. Das Unbewusste ist der Helfer, der innere Heiler unserer Klienten. Es hat das Interesse, dass es seinem Avatar gut geht und es hört aufmerksam zu.

Wir als Therapeuten sollten uns lösen von Druck und Stress. Wie Einstein schon sagte: Ein Problem lässt sich oftmals nicht auf der gleichen Ebene lösen, wie es entstanden ist. So ist es auch in der Regression. Die emotional belastenden Themen sind oftmals durch Druck und Stress entstanden. Wir können es lösen mit Sanftheit und Effizienz.

Mythos Nr. 3: Die Lösung liegt in einem einzigen Ereignis

Viele Therapeuten lernen die Regression mit einem weiteren Wirkungsprinzip: Die Themen der Klienten sind ursachenorientiert auf ein einziges Ereignis zurückzuführen. Die damit erlebten Emotionen werden somit dort induziert und durch Wiederholung verstärkt.

Ein Beispiel:
Jemand der unter Höhenangst leidet, hat ein sehr emotionales Ereignis erlebt mit 4 Jahren (zum Beispiel von der Leiter gefallen und sich die Hand gebrochen). Jetzt ist der Schutzmechanismus installiert. Jedes weitere Ereignis, dass auf dieses erste Ereignisse assoziiert bzw. zurückgeht, verstärkt den Schutzmechanismus und die Emotion.

In vielen Fällen ist dies tatsächlich so. In einem exakt definierten Kontext lässt sich oftmals an ein einziges Erlebnis zurückerinnern, welches den Schutzmechanismus in Form von Angst oder Vermeidung installiert hat. 

Dieses Wirkungsprinzip birgt aber auch viel Potential für Misserfolge in der Therapie. Ganz so linear und simpel ist unser Geist nicht konstruiert, wie man aus neueren neurowissenschaftlichen Untersuchungen und Experimenten weiss. Man darf sich den Geist gerne eher als Spinnennetz vorstellen, als eine Form von "Timeline".

So kommt es nicht selten vor, dass gewisse belastende Thematiken bei Klienten multiemotional sind. Es lässt sich nicht ein spezifischer Kontext ermitteln und somit fehlt einem als Therapeut auch der rote Faden, um in einer einzigen Regression die Problematik komplett zu desensibilisieren. 

Ein Beispiel:
Ein Klient ist eifersüchtig und macht seine Frau beinahe wahnsinnig mit seinem Verhalten. Gleichzeitig wird er öfters handgreiflich in heftigen Diskussionen. Klient und Therapeut schliessen daraus, das beides mit Eifersucht zu tun haben muss und starten die Regression mit der Emotion "kurz bevor du handgreiflich wirst". Die Eifersucht wird nach zwei Sessions zwar besser, verschwindet jedoch nicht. Genauso wenig die Handgreiflichkeiten. 

Hier sind wir als Therapeuten gefragt, die Problematik in seiner ganzen Dimension zu erfassen. Das Unbewusste ist durchaus in der Lage, mehrere Thematiken miteinander zu assoziieren, zu verknüpfen.

Verabschieden wir uns also besser vom linearen Denken. So erfassen und lösen wir auch die multiemotionalen Thematiken unserer Klienten.

Schlusswort

Regression ist ein mächtiges Werkzeug innerhalb der therapeutischen und psychoanalytischen Tätigkeit von Therapeuten.

Regression ist absolut natürlich und gehört zum Geist des Menschen. Es ist ein natürliches Phänomen und muss weder in Dogmen noch in Modelle gepackt werden. Wir können uns den normalen Mechanismen bedienen und Regression sanft und effizient durchführen. Ohne Trancezustände, ohne Hypnoseinduktionen, ohne Stress und ohne Druck.

Möchtest du deine Kenntnisse in Regression vertiefen? Ein absoluter Profi werden? Dann ist unsere Weiterbildung Timeline & Inneres Kind genau das Richtige für dich.

Ist dir Regression noch völlig unbekannt? Dann kannst du Regression und viele anderen Techniken in unserer Grundausbildungen lernen: Dipl. Psychosensorischer Mentalcoach und Dipl. Kindertherapeut*in / Coach HappyKids®


Mike Schwarz

Über den Autor

Mike Schwarz ist Mentalcoach, Dipl. Hypnosetherapeut, Kindertherapeut und Ausbilder. Er ist mit Herz und Seele Mentor und Kreator von Soul & Parts, einer intuitiven und effektiven Therapiemethode. Er wurde international ausgezeichnet und gilt in der Schweiz als Experte rund um Hypnose und Mentalcoaching. Er ist ebenfalls Autor des wertvollen Ratgebers "Wie Kinder fliegen lernen" von HappyKids.pro

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